Stärke. Tiefe. Geschichten, die bleiben.

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Prosa

Leise Texte. 

Tiefe Räume.

Echte Worte.

 

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Wann wurde aus einer selbstverständlichen Grenze eine tägliche Debatte?

In Prosa, Gedichten und kurzen Erzählungen folgt dieser Band den Rissen in unserer Gesellschaft. Er erzählt von Krisen und Erschöpfung, von laut gewordenen Lügen und einfachen Antworten. Aber auch von einer Mehrheit, die nicht verschwunden ist. Von Menschlichkeit im Kleinen und einer Haltung, die bleibt.

Ein leiser, klarer Band über die Entscheidung, wem wir glauben, wie wir miteinander leben und was wir nicht verlieren dürfen.

Kostenlos in den Shops erhältlich oder auf BookRix Community.

 

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Was noch immer klar ist


Vor fünfzehn, zwanzig Jahren war noch klar,
dass man gemeinsam gegen Faschisten war.
Kahl rasiert, in schweren Stiefeln,
mit dem Schläger in der Hand,
zogen sie mit Hassparolen
drohend durch das ganze Land.

Sie kamen aus den dunklen Ecken,
wollten Angst und Schrecken säen.
Doch wir ließen ihre Hetze
nicht als freie Meinung stehen.
Keine Talkshow, keine Debatte
hat den Menschenhass kaschiert.
Denn wir trugen eine Mauer,
fest aus Menschlichkeit formiert.
Denn es war unstrittig klar,
dass man gegen Faschisten war.

Ich weiß nicht, wann es anfing,
wann der erste Stein zerbrach,
wann das Unsagbare plötzlich
wieder seine rohe Sprache sprach.
Erst ganz leise, dann alltäglich,
erst versteckt und nun ganz frei.
Und natürlich ist auch immer
„Das wird man doch noch sagen dürfen“ dabei.

Heute sitzen sie in Talkshows,
abends zur besten Sendezeit,
gut gekleidet und gepudert,
als „Alternative“ bereit.
Sie verkaufen Angst als Wahrheit,
teilen Menschen Stück für Stück,
machen aus uns „Wir“ und „die da“,
drehen manches Wort zurück.

Es sind dieselben alten Lügen,
es sind Angst, Parolen, Hass.
Doch wo früher Widerspruch war,
bleiben heute viele blass.
Obwohl der Konsens eigentlich
noch immer derselbe ist:
dass man gegen Menschenfeinde,
dass man gegen Faschisten ist.

Wir wissen längst, was sie vorhaben,
sie erzählen es jeden Tag:
von den Schulen, die sie planen,
wo nur der Gehorsam zählt,
von den Worten, die uns spalten,
von der Angst, die Menschen quält,
von den Bildern der Geschichte,
die man passend neu erzählt.

Sie versprechen feste Ordnung,
klare Regeln, Sicherheit.
Doch wer nicht in ihre Welt passt,
dem bleibt immer weniger Freiheit.
Sie verlangen hohe Mauern,
ziehen Grenzen durch das Land.
Doch was Menschen voneinander trennt,
hat noch niemanden bewahrt.

Wer genau hinhört, erkennt sie,
diese alte Melodie.
Neue Stimmen, neue Anzüge,
doch verschwunden war sie nie.
Vielleicht lässt sie sich zurückdrängen,
wenn man sie beim Namen nennt.
Wenn aus Schweigen Stimmen werden
und man ihre Muster kennt.

Denn die Umfragen zeigen leise,
was man allzu leicht vergisst:
dass die Mehrheit noch immer
gegen Menschenfeinde,
gegen Faschisten ist.

© H. J. White, August 2026

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Wurzeln des Hasses

Wurzeln des Hasses
wachsen tief im Grund,
nähren sich von Angst und Wund‘,
von Gerüchten, ungefragt,
von dem Schweigen, das nicht klagt.


Aus den Wurzeln wächst ein Stamm,
krumm und hart und voller Gram.
Was im Dunkeln Nahrung fand,
streckt sich langsam übers Land.


Seine Äste greifen weit,
tragen Früchte voller Neid.
Jede Lüge, die man sät,
wird ein Blatt, das weiterweht.

Wann verlernten wir zu sehn,
Menschen wirklich zu verstehn?
Wann vergaßen wir, dass Licht
jede dunkle Wurzel bricht?


Wurzeln des Hasses, tief und schwer,
wollen stets ein Stückchen mehr.
Doch kein Baum erreicht das Licht,
wenn die Menschlichkeit ihn bricht.


Diese Wurzel findet Halt
nur im Schweigen, nur im Wald
aus Angst und Misstrauen, blind und taub,
genährt von Zweifel, Hass und Staub.


Kein Stamm erhebt sich hier empor,
kein dunkler Ast wächst aus mir vor.
Kein Schatten fällt auf meinen Raum.
Ich bin kein Boden für diesen Baum.

© H. J. White, August 2026

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In Farbe

 

Hey, du.
Ja, genau du.
Ich meine dich, mit dem finsteren Blick, den tiefen Falten auf Stirn, der Empörung in jeder Faser deines Körpers, mit der strammen Haltung und dem forschen Gang.
Komm her, setz dich.
Atme erst einmal durch.
Erzähl mir, was dich bedrückt.
Was, dich stört, dass nun wieder über all diese Regenbogenfahnen draufgeklatscht werden.
Warum, der Regenbogen ist doch schön. Wird alles gleich viel bunter und freundlicher.
Was, das ist alles Woke-linksgrün-versiffte-Scheiße, die dich nicht mehr atmen lässt?
Verstehe.
Tröstend lege ich dir meine Hand auf die Schulter, ein Beben geht durch deinen Oberkörper.
Solch eine Last.
Solch eine Qual.
Lass uns gemeinsam tief durchatmen.
Weißt du, für was diese Farben stehen? Was sie bedeuten?
Du siehst mich an.
Rot für das Leben.
Orange für Heilung.
Gelb für das Licht.
Grün für die Natur.
Blau für Ruhe.
Violett für den Geist.
Du ziehst die Augenbrauen zusammen.
Ich sehe es.
Sie stehen für
Vielfalt
Toleranz
und Akzeptanz.
Dein Gesicht färbt sich rot.
„Woke-Scheiße“, schreist du,
„die dir von irgendwelchen Linksradikalen aufgedrückt wird.“
Ich sehe deine Pein.
Ja.
Kennst du die Basis,
den Grundstein unseres Landes?
Du siehst mich verwirrt an.
Es war der dunkelste Moment in unserer Geschichte.
Alle waren sich einig,
Nie wieder durfte so etwas Schreckliches möglich sein.
Da nahmen sie einen Stift in die Hand und schrieben folgendes auf:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
(Art. 1 I GG)

„Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten,
als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft,des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ (Art. 1 II GG)

Ich sehe dich an.
Hört sich jetzt schon sehr woke an, oder?
Unschlüssig zuckst du mit den Schultern.

„Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.“ (Art. 2 I GG)
Ich mache eine Pause.

Sehe dich erneut an.
Du rutsch unruhig hin und her.

„Soweit er nicht die Rechte anderer verletzt
und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung … verstößt.“ (Art. 2 I GG)

„Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.“ (Art. 2 II GG)

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ (Art. 3 I, II GG)

Ich lasse für einen Atemzug die Worte wirken.

„Niemand darf wegen seines Geschlechts,
seiner Abstammung,
seiner Rasse,
seiner Sprache,
seiner Heimat und Herkunft,
seines Glaubes,
seiner religiösen oder politischen Anschauungen
benachteiligt oder bevorzugt werden.
Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3 III GG)

Wann das geschrieben wurde?

  1. Mai 1949

Ich lächle und deute auf den Regenbogen.
Diese Farben
sind nicht zu bunt.
Zu laut.
Zu viel.
Sie sind eine Erinnerung
an das,
was uns garantiert wird.
Dass wir,
jeder Einzelne von uns,
sein dürfen, wie wir sind.

Leben dürfen.
Lieben dürfen.

Das ist Vielfalt.

Ich sehe dich an.

Es garantiert dir,
dass du hassen darfst.
Dass du dich empören darfst.
Dass du mich täglich
mit deinen Parolen beschallen kannst.

Das ist Toleranz.
Das ist Akzeptanz.

In Schwarz auf Weiß geschrieben.
Und im Juni eben auch in Farbe.

© H. J. White, Juni 2026

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Wia gschiene Leit

 

Hey du,

wart a moi.

Schee, daas wir uns segn.

Lang ists her.

Wie gehds da denn?

Ge, sitz ma uns auf Beng.

Früher warn ma beste Freind.

Heit sam ma fast wia gschiene Leit.

Ja sLebm hat uns ausanander driften lassen,

ohne daas maas woin.

 

Nun sitz ma nebanand

und schau ma uns fremd oa.

Wissen ned was zu soagn,

Oarbat, Heirat, Kinder.

Ja, wir san erwachsen woarn.

Früher ham ma uns ois gsoagt.

Heit  find ma kaum a Wort.

Ja sLebm hat uns ausaneinder driften lassen,

ohne daas mas woin.

 

A Echo der Vergangenheit zeigt

ja, wir warn beste Freind.

Doch sLebm gehd weida,

und wir gehn wieda hoam.

Vielleicht segna uns boid wieda.

Vielleicht a erst in a boar joar.

Lebm hat uns auseinander driften lassen,

ohne daas maas woin.

 

Früher warn ma beste Freind.

Heit sam ma fast wia gschiene Leit.

Ja, wia warn beste Freind

und wenn man uns wieda segn

Sog i:

Hey du,

wart a moi.

Schee daas wir uns segn.

Guad schaust aus.

Wie geht’s da denn?

Ge, sitz ma uns auf beng.

 

© H. J. White, Mai 2026

 

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Das bin nicht ich

 

Frühmorgens das Handy in der Hand. 

Durch Nachrichten gescrollt, 

im Kopf und Herz entsteht eine Wand. 

Weiter zu BlueSky. 

Meinungen sind laut. 

Meine Laune für den Rest des Tages versaut. 

Ein Leben für Likes, für Trends, für Algorithmen. 

Nein. 

Ich will das nicht. 

Stopp. 

Ich merke: 

Das bin nicht ich. 

 

Ich lege das Handy weg. 

Atme einmal tief ein. 

Stille. 

Ein kleiner Moment, 

der mir gehört 

und mich wieder 

zu mir selbst führt. 

Der Lärm bleibt draußen, 

ich bleibe bei mir 

und schließe für heute 

die digitale Tür. 

Das reicht. 

Ich atme tief aus. 

Der Tag beginnt neu. 

Ohne Applaus.

 

© H. J. White, April 2026

 

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Soziale Wesen
 

Menschen sind soziale Wesen, 

zumindest wird das behauptet. 

Sozial und christlich, 

so lautet die Definition.

Doch werfen wir einen Blick hinter die Fassade. 

Stopp. Schweig.

Menschen sind soziale Wesen, 

die gern den Wert der anderen festlegen. 

Wo lebt er? Wie lebt er? 

Welches Auto fährt er? 

Welche Kleidung trägt er? 

Welchen Beruf hat er?

Oh – ein Arzt. 

Nein – ein Supermarktkassier. 

Ging er aufs Gymnasium? 

Oder hat er „nur“ einen Hauptschulabschluss? 

Oder schlimmer: gar keinen?

Stopp. Schweig.

Ist sie verheiratet? 

Kümmert sie sich um Haus und Garten? 

Wie groß ist überhaupt das Haus? 

Oh, die Kinder – sieh sie an. 

Tanzen sie aus der Reihe? 

Passen sie sich an? 

Kein Wunder, dass sie sind, wie sie sind. 

Sieh nur die Eltern.

Stopp. Schweig.

Fehler sieht man nur bei den anderen. 

Die eigenen werden relativiert. 

Grenzen werden überschritten – 

Doch wehe, man spricht es an.

Stopp. Schweig.

Denn man müsste sich selbst 

Und die Gesellschaft hinterfragen. 

Und Dinge zu hinterfragen ist 

Unbequem. 

Gefährlich.

 

© H. J. White, April 2026

 

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Vorm Spiegel

Der Tag überlässt der Nacht seinen Platz, alle Zimmer sind in Dämmerung getaucht. Die Augen erkennen kaum mehr als Schatten und Umrisse. Das Dunkel zieht auf, deckt die Erde zu und verspricht Erholung.

Komm zur Ruh`.

Es ist still. Atemzüge brausen wie der Wind und das Pochen des eigenen Herzschlags ist wie Donner: Stark und stetig, voller Leben.

Komm zur Ruh`.

Gleichmütig plätschert das Wasser aus dem Hahn. Ein Seufzer, müde Hände tauchen ins kühle Nass. Es prickelt auf der Haut.

Leg die Maske ab. Komm zur Ruh`.

Kalte Finger berühren das Gesicht, wollen Stress und Hektik abwaschen. Zu spüren die Zeichen der Zeit an Stirn, Augen, Wangen, Nase, Mund, Hals und Brust. Gezeichnet vom Leben, vom Lachen, von Sorgen.

Leg die Maske ab. Komm zur Ruh´.

Unebenheiten und Falten, die vorm Tag versteckt werden, dürfen nun sein. Das Dunkel schließt sie in die Arme wie ein Geliebter. Ohne zu urteilen, ohne zu werten. Es liebkost jeden Mangel, jede Freude, jede Angst.

Alles darf sein. Komm zur Ruh`.

Aufgefangen in dem Versprechen, du selbst zu sein, darfst du nun fühlen. Denken. Träumen. Tanzen. Singen. Malen. Schreiben. Leben. Bis der nächste Tag beginnt.

© H. J. White, 2015

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Haltung

 

Die Welt –

hektisch, laut,

Anstand, Ethik, Moral

von euch längst ausgegraut.

 

Empörung, Hass,

leichtfertig akzeptiert,

werden zur Norm,

die Gesellschaft verliert

ihre tragende Form.

 

Ihr sprecht von Gott,

von Kultur,

von gemeinsamen Werten –

doch ihre Bedeutung bleibt euch fremd.

 

Ihr schweigt zum Hass,

feiert ihn,

bis er euch selbst verbrennt.

 

Die Menschlichkeit stirbt,

doch ich weigere mich,

es stumm zu akzeptieren.

 

Hier stehe ich,

schreie euch die Wahrheit ins Gesicht:

Ihr Lügner –

ihr täuscht mich nicht.

 

Ich stehe auf,

halte stand,

bis eure Lügen

an sich selbst zerbrechen,

wie Glas an der Wand.

 

© H. J. White, 2026

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