Stärke. Tiefe. Geschichten, die bleiben.

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Prosa

Leise Texte. 

Tiefe Räume.

Echte Worte.

 

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Soziale Wesen
 

Menschen sind soziale Wesen, 

zumindest wird das behauptet. 

Sozial und christlich, 

so lautet die Definition.

Doch werfen wir einen Blick hinter die Fassade. 

Stopp. Schweig.

Menschen sind soziale Wesen, 

die gern den Wert der anderen festlegen. 

Wo lebt er? Wie lebt er? 

Welches Auto fährt er? 

Welche Kleidung trägt er? 

Welchen Beruf hat er?

Oh – ein Arzt. 

Nein – ein Supermarktkassier. 

Ging er aufs Gymnasium? 

Oder hat er „nur“ einen Hauptschulabschluss? 

Oder schlimmer: gar keinen?

Stopp. Schweig.

Ist sie verheiratet? 

Kümmert sie sich um Haus und Garten? 

Wie groß ist überhaupt das Haus? 

Oh, die Kinder – sieh sie an. 

Tanzen sie aus der Reihe? 

Passen sie sich an? 

Kein Wunder, dass sie sind, wie sie sind. 

Sieh nur die Eltern.

Stopp. Schweig.

Fehler sieht man nur bei den anderen. 

Die eigenen werden relativiert. 

Grenzen werden überschritten – 

Doch wehe, man spricht es an.

Stopp. Schweig.

Denn man müsste sich selbst 

Und die Gesellschaft hinterfragen. 

Und Dinge zu hinterfragen ist 

Unbequem. 

Gefährlich.

 

© H. J. White, April 2026

 

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Vorm Spiegel

Der Tag überlässt der Nacht seinen Platz, alle Zimmer sind in Dämmerung getaucht. Die Augen erkennen kaum mehr als Schatten und Umrisse. Das Dunkel zieht auf, deckt die Erde zu und verspricht Erholung.

Komm zur Ruh`.

Es ist still. Atemzüge brausen wie der Wind und das Pochen des eigenen Herzschlags ist wie Donner: Stark und stetig, voller Leben.

Komm zur Ruh`.

Gleichmütig plätschert das Wasser aus dem Hahn. Ein Seufzer, müde Hände tauchen ins kühle Nass. Es prickelt auf der Haut.

Leg die Maske ab. Komm zur Ruh`.

Kalte Finger berühren das Gesicht, wollen Stress und Hektik abwaschen. Zu spüren die Zeichen der Zeit an Stirn, Augen, Wangen, Nase, Mund, Hals und Brust. Gezeichnet vom Leben, vom Lachen, von Sorgen.

Leg die Maske ab. Komm zur Ruh´.

Unebenheiten und Falten, die vorm Tag versteckt werden, dürfen nun sein. Das Dunkel schließt sie in die Arme wie ein Geliebter. Ohne zu urteilen, ohne zu werten. Es liebkost jeden Mangel, jede Freude, jede Angst.

Alles darf sein. Komm zur Ruh`.

Aufgefangen in dem Versprechen, du selbst zu sein, darfst du nun fühlen. Denken. Träumen. Tanzen. Singen. Malen. Schreiben. Leben. Bis der nächste Tag beginnt.

© H. J. White, 2015

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Haltung

 

Die Welt –

hektisch, laut,

Anstand, Ethik, Moral

von euch längst ausgegraut.

 

Empörung, Hass,

leichtfertig akzeptiert,

werden zur Norm,

die Gesellschaft verliert

ihre tragende Form.

 

Ihr sprecht von Gott,

von Kultur,

von gemeinsamen Werten –

doch ihre Bedeutung bleibt euch fremd.

 

Ihr schweigt zum Hass,

feiert ihn,

bis er euch selbst verbrennt.

 

Die Menschlichkeit stirbt,

doch ich weigere mich,

es stumm zu akzeptieren.

 

Hier stehe ich,

schreie euch die Wahrheit ins Gesicht:

Ihr Lügner –

ihr täuscht mich nicht.

 

Ich stehe auf,

halte stand,

bis eure Lügen

an sich selbst zerbrechen,

wie Glas an der Wand.

 

© H. J. White, 2026

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