
✦ Kapitel 1 ✦
In den Kronen der Bäume des Sonnenholzweges erwachten die ersten Vögel und sangen den Tag herbei. Doch was sich für die Bewohner der Straße wie fröhliches Zwitschern anhörte, war vielleicht nichts weiter als das Tratschen der Vögel untereinander. Denn die Nacht hatte den einen oder anderen unerwarteten Besucher in die Häuser gebracht.
Das Haus von Hannah Klein lag noch im Dunkeln. Doch die Morgendämmerung schickte das erste graue Licht durchs Fenster. Hannah war bereits wach, und ihr Blick ruhte auf dem Mann neben ihr. Die Bettdecke hatte er halb von sich gestrampelt, sodass sie einen freien Blick auf seine durchtrainierte Brust hatte. Nur zu gern hätte sie ihn berührt, doch sie wollte ihn nicht wecken.
Sie musste lächeln, und ihr Herz schlug schneller. Es war verrückt, welche tiefe Verbundenheit er in ihr auslöste. Etwas, das sich kaum in Worte fassen ließ. Liebe wäre die naheliegendste Beschreibung gewesen. Doch sie wollte dieses Wort nicht verwenden.
Denn wäre es Liebe, würde das bedeuten, dass sie sich an ihn binden müsste. Und genau das widersprach ihrer Vereinbarung.
Nur Spaß.
Keine Verpflichtung.
Sie beide waren zu sehr in ihren Karrieren verankert. Ihre Arbeit stand an erster Stelle. Darin waren sie sich einig.
Ihre letzte Begegnung lag fünfeinhalb Wochen zurück. Und dennoch überrollte sie dieses Gefühl erneut.
Er war hier. Jetzt.
Sie spürte seine Wärme, hörte seine flachen Atemzüge, und der ganze Raum roch nach ihm. Es legte sich um sie wie ein stiller Schutz.
Was sollte das anderes sein als Liebe?
Hannah lächelte und genoss still seinen Anblick, solange sie noch Zeit hatte. Denn sie spürte, wie sie ihr durch die Finger rann. In weniger als zwei Stunden würde er wieder verschwunden sein. Dann blieben ihnen nur noch kurze Telefonate und Nachrichten – für unbestimmte Zeit.
Plötzlich zog sich ihr Unterbauch schmerzhaft zusammen, und sie sog scharf die Luft ein.
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✦ Kapitel 2 ✦
Mit einem Gähnen rollte er sich auf die Seite, das Gesicht ihr zugewandt. Fast, als könnten sie gar nicht anders, als sich zueinander zu bewegen.
Unausweichlich.
Magisch.
Sie hielt für einen Wimpernschlag den Atem an.
„Guten Morgen, meine Schöne“, murmelte er verschlafen und legte seine warme Hand auf ihre Hüfte. Der Abstand zwischen ihnen schmolz.
„Morgen, Großer“, wisperte sie und rückte näher zu ihm.
Er küsste sie sanft, und sofort begann ihr Herz schneller zu schlagen. Ein leises Kribbeln breitete sich in ihr aus.
Für einen Moment wurde ihr flau im Magen.
Sie atmete ruhig ein und schob das Gefühl beiseite.
Er gab ein leises Stöhnen von sich, und für einen Augenblick glaubte sie zu spüren, dass er sie ebenso sehr brauchte wie sie ihn.
Wie die Luft zum Atmen.
Sie stockte.
Der Gedanke fühlte sich plötzlich zu groß an.
Zu kitschig.
„Alles in Ordnung?“, fragte er leise.
Ihre Blicke trafen sich. Das dunkle Blau seiner Augen erinnerte sie an den Ozean – tief, weit, etwas, in das sie sich verlieren wollte.
Einen Moment zu lange.
Sie nickte leicht. „Ja.“
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, bevor sie sich wieder zu ihm beugte. Langsam zog sie eine neckende Spur aus Küssen seinen Hals hinab. Ihre Finger glitten über seinen Oberkörper, tastend, als wollten sie sich vergewissern, dass er wirklich da war.
Der Rest der Welt verblasste. Wurde unwichtig.
Es gab nur noch ihn.
Heiße und kalte Schauer durchzogen sie, und sie verlor sich darin.
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