Stärke. Tiefe. Geschichten, die bleiben.

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Prosa

Leise Texte. 

Tiefe Räume.

Echte Worte.

 

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Wia gschiene Leit

 

Hey du,

wart a moi.

Schee, daas wir uns segn.

Lang ists her.

Wie gehds da denn?

Ge, sitz ma uns auf Beng.

Früher warn ma beste Freind.

Heit sam ma fast wia gschiene Leit.

Ja sLebm hat uns ausanander driften lassen,

ohne daas maas woin.

 

Nun sitz ma nebanand

und schau ma uns fremd oa.

Wissen ned was zu soagn,

Oarbat, Heirat, Kinder.

Ja, wir san erwachsen woarn.

Früher ham ma uns ois gsoagt.

Heit  find ma kaum a Wort.

Ja sLebm hat uns ausaneinder driften lassen,

ohne daas mas woin.

 

A Echo der Vergangenheit zeigt

ja, wir warn beste Freind.

Doch sLebm gehd weida,

und wir gehn wieda hoam.

Vielleicht segna uns boid wieda.

Vielleicht a erst in a boar joar.

Lebm hat uns auseinander driften lassen,

ohne daas maas woin.

 

Früher warn ma beste Freind.

Heit sam ma fast wia gschiene Leit.

Ja, wia warn beste Freind

und wenn man uns wieda segn

Sog i:

Hey du,

wart a moi.

Schee daas wir uns segn.

Guad schaust aus.

Wie geht’s da denn?

Ge, sitz ma uns auf beng.

 

© H. J. White, Mai 2026

 

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Das bin nicht ich

 

Frühmorgens das Handy in der Hand. 

Durch Nachrichten gescrollt, 

im Kopf und Herz entsteht eine Wand. 

Weiter zu BlueSky. 

Meinungen sind laut. 

Meine Laune für den Rest des Tages versaut. 

Ein Leben für Likes, für Trends, für Algorithmen. 

Nein. 

Ich will das nicht. 

Stopp. 

Ich merke: 

Das bin nicht ich. 

 

Ich lege das Handy weg. 

Atme einmal tief ein. 

Stille. 

Ein kleiner Moment, 

der mir gehört 

und mich wieder 

zu mir selbst führt. 

Der Lärm bleibt draußen, 

ich bleibe bei mir 

und schließe für heute 

die digitale Tür. 

Das reicht. 

Ich atme tief aus. 

Der Tag beginnt neu. 

Ohne Applaus.

 

© H. J. White, April 2026

 

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Soziale Wesen
 

Menschen sind soziale Wesen, 

zumindest wird das behauptet. 

Sozial und christlich, 

so lautet die Definition.

Doch werfen wir einen Blick hinter die Fassade. 

Stopp. Schweig.

Menschen sind soziale Wesen, 

die gern den Wert der anderen festlegen. 

Wo lebt er? Wie lebt er? 

Welches Auto fährt er? 

Welche Kleidung trägt er? 

Welchen Beruf hat er?

Oh – ein Arzt. 

Nein – ein Supermarktkassier. 

Ging er aufs Gymnasium? 

Oder hat er „nur“ einen Hauptschulabschluss? 

Oder schlimmer: gar keinen?

Stopp. Schweig.

Ist sie verheiratet? 

Kümmert sie sich um Haus und Garten? 

Wie groß ist überhaupt das Haus? 

Oh, die Kinder – sieh sie an. 

Tanzen sie aus der Reihe? 

Passen sie sich an? 

Kein Wunder, dass sie sind, wie sie sind. 

Sieh nur die Eltern.

Stopp. Schweig.

Fehler sieht man nur bei den anderen. 

Die eigenen werden relativiert. 

Grenzen werden überschritten – 

Doch wehe, man spricht es an.

Stopp. Schweig.

Denn man müsste sich selbst 

Und die Gesellschaft hinterfragen. 

Und Dinge zu hinterfragen ist 

Unbequem. 

Gefährlich.

 

© H. J. White, April 2026

 

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Vorm Spiegel

Der Tag überlässt der Nacht seinen Platz, alle Zimmer sind in Dämmerung getaucht. Die Augen erkennen kaum mehr als Schatten und Umrisse. Das Dunkel zieht auf, deckt die Erde zu und verspricht Erholung.

Komm zur Ruh`.

Es ist still. Atemzüge brausen wie der Wind und das Pochen des eigenen Herzschlags ist wie Donner: Stark und stetig, voller Leben.

Komm zur Ruh`.

Gleichmütig plätschert das Wasser aus dem Hahn. Ein Seufzer, müde Hände tauchen ins kühle Nass. Es prickelt auf der Haut.

Leg die Maske ab. Komm zur Ruh`.

Kalte Finger berühren das Gesicht, wollen Stress und Hektik abwaschen. Zu spüren die Zeichen der Zeit an Stirn, Augen, Wangen, Nase, Mund, Hals und Brust. Gezeichnet vom Leben, vom Lachen, von Sorgen.

Leg die Maske ab. Komm zur Ruh´.

Unebenheiten und Falten, die vorm Tag versteckt werden, dürfen nun sein. Das Dunkel schließt sie in die Arme wie ein Geliebter. Ohne zu urteilen, ohne zu werten. Es liebkost jeden Mangel, jede Freude, jede Angst.

Alles darf sein. Komm zur Ruh`.

Aufgefangen in dem Versprechen, du selbst zu sein, darfst du nun fühlen. Denken. Träumen. Tanzen. Singen. Malen. Schreiben. Leben. Bis der nächste Tag beginnt.

© H. J. White, 2015

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Haltung

 

Die Welt –

hektisch, laut,

Anstand, Ethik, Moral

von euch längst ausgegraut.

 

Empörung, Hass,

leichtfertig akzeptiert,

werden zur Norm,

die Gesellschaft verliert

ihre tragende Form.

 

Ihr sprecht von Gott,

von Kultur,

von gemeinsamen Werten –

doch ihre Bedeutung bleibt euch fremd.

 

Ihr schweigt zum Hass,

feiert ihn,

bis er euch selbst verbrennt.

 

Die Menschlichkeit stirbt,

doch ich weigere mich,

es stumm zu akzeptieren.

 

Hier stehe ich,

schreie euch die Wahrheit ins Gesicht:

Ihr Lügner –

ihr täuscht mich nicht.

 

Ich stehe auf,

halte stand,

bis eure Lügen

an sich selbst zerbrechen,

wie Glas an der Wand.

 

© H. J. White, 2026

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