Frostmagie – Frozen Hearts
Leseprobe
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Kapitel 1
Bryan
Ende September
Warm wehte der Wind durch das sich mittlerweile buntfärbende Umland von New England. Ich stand auf einer Anhöhe und blickte auf das kleine verschlafene Nest hinunter. Von hier aus konnte ich die Kirche und den gegenüberliegenden Park erkennen und hinter dem letzten Baumwipfel zeichnete sich das Dach des Rathauses ab. Eine Szene wie aus dem Bilderbuch – idyllisch. Als wäre Frost Creek der einzige Ort auf diesem Planeten, an dem man vor den grausamen Dingen des Lebens verschont blieb.
Doch das ist eine Lüge.
Die Gefühle, die in mir tobten, konnte ich kaum in Worte fassen. Nur eines war ich mir sicher, meine Rache würde kalt und bitter werden. Die reiche Schlampe würde mich am Ende auf Knien um ihren Tod anbetteln.
Pünktlich um fünfzehnhundert läutete mein Handy. Auf meinen Bruder von den Navy Seals konnte ich mich noch immer verlassen, auch wenn ich nicht mehr zu ihnen gehörte. „Ja“, begrüßte ich ihn einsilbig.
„Du bist bereits dort, richtig?“ John hörte sich nervös an und seine tiefe Stimme schwang voller Sorge.
„Ja. Hast du die Informationen?“
Papier raschelte im Hintergrund und John grummelte unverständlich vor sich hin. „Ja. Carlene Ledford ist seit drei Tagen zurück und nimmt heute die Arbeit in der Stiftung der Familie auf. Hast du den Datenstick bekommen?“
„Hab ich, John.“ Lächelnd zog ich den Stick aus meiner Jackentasche und unweigerlich beschleunigte sich mein Puls.
„Darauf ist alles, was es bei den Behörden und im Netz über das Leben dieser Frau zu finden gibt.“
Das brauchte John mir nicht erklären, denn ich hatte mir die Daten auf dem Stick gestern Abend durchgesehen und war nicht wirklich überrascht, dass ich sogar Bilder von englischen Überwachungskameras in den zusammengestellten Unterlagen gefunden hatte. Wenn John eines war, dann gründlich. Einmal auf eine Zielperson angesetzt, hörte er erst mit seiner Suche auf, wenn er alles über diese herausgefunden hatte.
„Die Kleine geht jeden Tag vor dem Abendessen joggen, ihre Route verläuft von der Villa zu einem nahegelegenen See“, fuhr er fort.
„Joggen, durch den Wald in der Dämmerung! Interessant! Ich weiß, wo dieser See ist.“ In Gedanken ging ich gerade die Wege in dem Waldstück bis zu dem See durch und unzählige Möglichkeiten zeichneten sich mir auf. Doch so leicht würde ich es ihr nicht machen.
Sie soll leiden.
„Bryan, bist du dir sicher, dass du deinen Plan durchziehen willst?“ Johns Frage, riss mich aus meinen Gedanken. „Wenn du erwischt wirst, landest du für den Rest deines Lebens im Knast. Willst du das wirklich?“
„Die verzogene Schlampe hat vier Menschenleben auf dem Gewissen und keinen Tag im Knast verbracht.“ Im Gegensatz zu mir, fügte ich in Gedanken hinzu. „Und warum? Weil ihre Familie sie mit genug Geld freigekauft hat.“
Die Tochter aus reichem Hause lebte ihr Leben ohne Beeinträchtigungen weiter, während meine kleine Schwester, mein Schwager und ihr ungeborenes Kind in der Erde verrotteten. Der Zorn, der seither in mir tobte, hatte mich meinen Job bei meinen Brüdern gekostet und trieb den Hass wie Eiswasser durch meine Venen.
Mein Vater und ich haben alles verloren.
Ich werde erst Ruhe finden, wenn sie gerächt sind.
„Ganz genau, sie trägt die Schuld am Tod von vier Menschen“, unterbrach John meine Gedanken. „Doch Bryan, es war ein Unfall, der sie unfreiwillig zur Mörderin gemacht hat und nun muss sie damit leben.“
„Vier Menschen sind tot. Die fünfte Frau kann nie wieder laufen. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Die kleine reiche Schlampe lebt ihr Leben fröhlich weiter und vögelt sich über den Planeten“, knurrte ich.
„Wenn du dich da mal nicht täuscht, Bruder. Sie war lange Zeit im Entzug und in psychiatrischer Therapie. Du vergisst, dass sie bei dem Unfall erst siebzehn war – noch ein halbes Kind.“
„Sie war betrunken und hat sich hinter das Steuer gesetzt, da hatte sie ihre Entscheidung getroffen. Denkst du einige Monate im Entzug begleitet von ein paar Therapiestunden und einige Jahre in England wären der gerechte Ausgleich für vier Menschenleben? Glaubst du wirklich, dass diese Person leidet? Sie studiert, lebt, reist durch die Welt, geht auf Partys. Die Depression war eine Lüge, mit der die Rechtsverdreher sie beim Prozess rausgehauen haben. Sie ist eine hervorragende Schauspielerin. Ihr alle seid blind die Wahrheit zu sehen, doch mich täuscht sie nicht. Sie wird büßen und sie wird sich wünschen, damals an der Unfallstelle gestorben zu sein.“ Mein Blick fiel auf meine Hände, die sich zu Fäusten geballt hatten und bebten.
„Also gut. Es ist dein beschissenes Leben, Bruder. Aber vergiss nicht, damit sind wir nun quitt.“ Die Verbindung brach ab.
John war schon immer ein Moralapostel, die Stimme des Gewissens in der Einheit und mal wieder fragte ich mich, wie wir beide beste Freunde werden konnten. Denn ich war schon immer ein temperamentvolles Arschloch. Was am Ende zählte war, dass die Gerechtigkeit über Unrecht siegte. Daher tat ich, was getan werden musste. Ich liebte mein Land und glaubte an das System, doch dieses hat bei der reichen Schlampe eklatant versagt. Nun war es meine Aufgabe, Carlene Ledford die gerechte Strafe zukommen zu lassen. Sie sollte vor Todesangst erstarren und leiden, wie meine Schwester gelitten hatte, doch vorher würde ich ihr noch all ihre Hoffnungen und Träume nehmen.
*****
Der Tag neigte sich allmählich seinem Ende und die Sonne begann hinter der Silhouette von Frost Creek zu verschwinden. Ich hatte ein kleines Haus am Ortsrand angemietet. Meine Nachbaren waren allesamt alt und senil. Zudem hatte ich bereits mitbekommen, dass die Ledfords nicht gerne gesehen wurden im Ort und dies war bereits vor dem Unfall so und seit diesem verfluchten Tag erst recht.
Keiner von ihnen wird in die Quere kommen.
Gerade hatte ich den letzten Karton hineingetragen und ein Blick gen Himmel sagte mir, dass es langsam Zeit wurde, dass ich mich auf den Weg in den Wald machte. Von der Villa zum See waren es meiner Schätzung nach ungefähr drei Meilen. Da ich noch nicht wusste, wie sportlich die Mörderin war, wollte ich lieber früher als später vor Ort sein.
Keine halbe Stunde später schlich ich durchs Unterholz des Mischwaldes. Die Vögel zwitscherten, Insekten schwirrten fröhlich vor mir her und zwischen dem Dach aus Ästen, Nadeln und Blättern fielen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Der unverkennbare Geruch nach Kiefern und Tannen lag in der Luft und automatisch musste ich an das letzte Weihnachten mit meiner Schwester Alyson denken. Sie hatte Theo erst einige Tage zuvor geheiratet und schwebte an Heiligabend wie ein Engel durch das Haus meines Vaters. Sie war so glücklich. Wir alle waren glücklich. Fest presste ich die Kiefer zusammen und beschleunigte meine Schritte. Als könnte ich dem Schmerz des Verlustes davonlaufen. Der Boden unter meinen Füßen fühlte sich weich an und je tiefer ich in den Wald eindrang, desto mehr schien die Zeit still zu stehen. Eine tiefe Ruhe hüllte mich ein.
Jäh wurde diese jedoch kurze Zeit später von leicht federnden Schritten und gleichmäßigen Atemzügen unterbrochen. Mein Blick flog durch das grüne Dickicht und da war sie.
Carlene Ledford.
Ihre langen braunen Haare hatte sie zu einem strengen Zopf zusammengebunden, doch die ersten Strähnen lösten sich bereits wieder. Deutlich zeichneten sich Schweißflecken auf ihrem grauen Shirt ab. Für eine flüchtige Sekunde kreuzten sich unsere Blicke. Ihre dunklen Augen hatten einen warmen schokoladenbraunen Ton und wäre sie nicht die Mörderin meiner Schwester, hätte ich mich augenblicklich darin verlieren können. Angespannt hielt ich den Atem an. Es knackte ein Ast unweit von mir und der Laut erinnerte mich an brechendes Eis.
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Kapitel 2
Carly
Mitte Oktober
Seit ich vor knapp zwei Wochen zurückgekehrt war, begleitete mich das ständige Gefühl, dass ich beobachtet wurde. Daher ließ ich meinen Blick wachsam über die hier in der Villa versammelte Elite des Landes schweifen. Wenn meine Großeltern, der Kongressabgeordnete Jeffrey Callan Ledford und seine Frau Ashton Mary zu einer Dinnerparty luden, dann fanden sich alle Größen aus Wirtschaft und Politik in ihrer Villa ein. Ich war mir sicher, dass die Gäste außer der Villa, welche außerhalb des kleinen Ortes lag, nicht viel von Frost Creek gesehen hatten.
„Carlene“, die Stimme von Stewart Frazier riss mich aus meinen Gedanken und jagte mir einen unwohlen Schauer über den Rücken.
Mist.
Einen Fluch unterdrückend, drehte ich mich nur widerwillig zu ihm um, darum bemüht das Lächeln auf meinem Gesicht zu behalten.
„Ich habe dich schon überall gesucht.“ Der vorwurfsvolle Ton in seiner von Natur aus leise krächzenden Stimme, war nicht zu überhören. Er musterte mich. „Du siehst atemberaubend aus.“ Er hatte das Kompliment kaum ausgesprochen, da blieb sein Blick in meinem Ausschnitt hängen. Unbewusst leckte er sich die Lippen und legte seinen Arm wie selbstverständlich um meine Taille.
Verdammt.
Warum hatte ich mich auch für das schwarze Cocktailkleid mit dem Carmenausschnitt entschieden. „Danke.“ Schnell entzog ich mich seinem Griff indem ich so tat, als würde ich mir eine Falte im seidigen Stoff des Kleides glatt streichen.
Doch er ließ nicht locker. „Wie war das Meeting?“
Was geht dich das an, schoss es mir durch den Kopf. Doch bevor die Worte über meine Lippen kamen, erinnerte ich mich daran, dass die anwesenden Gäste uns offiziell für ein Paar hielten. Allen voran meine Großeltern, und als wenn Grandma meine Gedanken lesen konnte, warf sie mir einen strengen Blick zu, der sagte: benimm dich! Du bist eine Ledford und wehe du ruinierst diesen Abend. Daher rang ich mir eine höfliche Antwort ab. „So wie Meetings für eine Stiftung sind – langweilig.“
„Das solltest du Ashton aber nicht sagen“, antwortete er glucksend.
Die Tatsache, dass er meine Großmutter beim Vornamen nannte, drehte mir den Magen um. „Das werde ich nicht“, würgte ich hervor und fragte mich mal wieder, wie es dazu kam, dass wir überhaupt in irgendeiner Beziehung zueinander standen.
Der Unfall.
Die Antwort auf meine Frage ließ mich frösteln. Stewart war einer der Anwälte, die meine Verteidigung übernommen hatten, und irgendwie hatte er es geschafft, Grandpa für sich einzunehmen. Als ich nach der Verurteilung ins Exil nach England geschickt worden war, dachte ich, das Stewarts Stern am Ledford Himmel schnell seine Leuchtkraft verlieren würde, doch da täuschte ich mich. Nun glaubten alle, hauptsächlich meine Großeltern, wir wären ein Paar, was nicht stimmte.
Stewart grinste mich wie ein Breitmaulfisch an und ich konnte kaum noch dem Drang widerstehen, ihm irgendetwas in sein bescheuertes Gesicht zu schütten.
„Hey, Ledford! Ich weiß nicht, wie du es in diesem Kaff aushältst.“ Mein Puls legte automatisch einen Gang zu, als ich die Stimme von Benedict Ross hinter mir hörte und ich dankte stumm dem Himmel für diese Rettung. Amüsiert kam der Erbe der Ross Holding auf uns zu und seine braunen Augen strahlten mich an. „Der Möchtegern neben dir hat recht, du siehst in diesem Kleid einfach zum Niederknien aus.“
Stewart neben mir wurde dunkelrot und war durch Benedicts dominierende Präsenz dazu genötigt, mehrere Schritte zur Seite zu treten. Dabei begannen seine schmalen Hände zu zittern.
Benedict sah ihn herausfordernd an. „Nichts für ungut.“
Stewarts Blick flog nach Hilfe suchend durch den Raum und als er diese offenbar gefunden hatte, räusperte er sich übertrieben. „Carlene, entschuldige mich. Dort ist Jeffrey, ich habe noch etwas mit ihm wegen dem Umzug nach Washington zu besprechen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, zog er davon.
„Was für ein Affe“, lachte Benedict los und schüttelte seinen Kopf. „Was findet dein Alter nur an diesem unterbelichteten Armleuchter?“
Das ist eine gute Frage.
Stewart war ein aufstrebender Anwalt, kam aus der Mittelschicht und hatte sich hochgearbeitet. Normalerweise hätte Grandpa ihn keines Blickes gewürdigt. Doch die Tatsache, dass er sich für mich – einer beschädigten Ware – interessierte, erhob ihn in den Stand eines passenden Heiratskandidaten.
Ich habe vier Menschen getötet.
Das war ein Makel, den man mit Make-Up, seidigen Stoffen und Unmengen an Geld, nicht wegzaubern konnte. Jederzeit konnte die Presse meine Vergangenheit hervorkramen und dadurch alle Ambitionen und Pläne meiner zukünftigen Lebenspartner sowie deren Unternehmen verderben. Mit mir zusammen zu sein war, als säße man auf einer tickenden Zeitbombe. Meine Großeltern erinnerten mich jeden Tag daran. „Er ist nicht unterbelichtet“, entgegnete ich halbherzig. Das war Stewarts einziger Pluspunkt.
„Ist der Sex mit ihm wenigstens gut?“
Röte schoss in meine Wangen und empört schlug ich ihm auf die Schulter. Zum Glück waren Stewart und ich bislang nicht in die Situation gekommen, das herauszufinden. Ich hatte auch nicht vor, an dieser Tatsache etwas zu ändern, denn selbst ich hatte noch einen Hauch von Selbstachtung übrig. Auch wenn sich diese umgehend verkrümelte, sobald dieser arrogante, verzogene Mann und bester Freund namens Benedict Ross in meine Nähe kam. „Du bist echt ein Arschloch, weißt du das?“
Benedict prustete los. „Nur deshalb verstehen wir beide uns doch so gut, Carly“, raunte er im nächsten Moment in mein Ohr.
Sein Atem flog über meinen Hals den Nacken hinauf und hinterließ ein warmes Prickeln auf meiner Haut. Fast schon automatisch begann es zwischen meinen Schenkel zu pulsieren.
Muss dieser Mistkerl immer diese Wirkung auf mich haben!
„Was hältst du davon, wenn wir diese öde Dinnerparty verlassen und ein wenig spazierengehen?“ Langsam wanderte seine Hand meine Schulter hinab zu meiner Hüfte, auf der sie besitzergreifend liegen blieb.
Hitze schoss in meinen Unterleib und mein Blick flog durch den Salon der Villa zu den anderen Gästen. Keiner nahm Notiz von uns. „Was ist mit deiner Schlampe des Monats die gerade drüben am Kamin von meinem Onkel vollgesülzt wird?“
„Die ficke ich nach dir.“
Seine Worte ließen mich leise aufstöhnen und ich war schockiert über mich selbst. Jedes Mal wenn ich Benedict Ross traf, endete es mit heißem Sex. Mein Blick blieb an dem Fenster hängen, in dem wir uns spiegelten. Die durchschnittlich große, dunkelhaarige und dezent geschminkte Frau, die mir gerade mit vor Lust verdunkeltem Blick entgegensah, hatte ihre Entscheidung bereits getroffen.
Du hast vier Menschen getötet, es sollte dir nicht so gut gehen.
„Gehn wir“, wisperte ich und folgte ihm hinaus in die Nacht.
*****
Kurze Zeit später traten wir hinaus in die sternenklare Nacht. Mein Körper schien in Flammen zu stehen, voller Vorfreude auf die Ekstase, die dieser Mann mir in den nächsten Augenblicken schenken würde. Wir rannten über den perfekt gepflegten Rasen zum Poolhaus. Doch anstatt uns darin zu verschanzen, blieben wir auf der Veranda.
Er zog mich an seine Brust und ich spürte seine Härte an meinem Bauch. Seine Hände tänzelten über meinen Körper und fanden ihren Weg unter das Cocktailkleid. Dieser Teufel wusste nur zu gut, wie er mich mit wenigen Berührungen willenlos machen konnte. Sanft strich er mit den Fingerspitzen über mein schwarzes Seidenhöschen, von dem ich nun wünschte, ich hätte es nicht angezogen.
Als hätte er meine Gedanken gelesen, riss er es mit einem Ruck herunter und keine Sekunde später zog er mit dem Daumen kleine Kreise über meine Klit und löste damit hunderte elektrische Schauer in meiner Mitte aus.
Das Herz hämmerte gegen meine Rippen, während meine Finger sich nun verselbstständigten und seine beachtliche Erektion befreiten. Benedicts Augen verdunkelten sich und ich sah seine Gier nach mir darin. Hart und fordernd trafen seine Lippen auf meine und willig gewährte ich seiner Zunge Einlass in meinen Mund. Unsere Zungen begann sich wild zu umkreisen, heiße Wellen der Erregung brandeten pulsierend in meinen Innersten.
Gefangen in unserer Lust, drückte er mich gegen die Wand und stöhnend drehte ich meinen Kopf zur Seite um Luft zu holen, dabei ließ ich meinen Blick schweifen. Plötzlich bemerkte ich, dass sich etwas einige Meter von uns entfernt im Schatten der Büsche bewegte. Fast lautlos. Zwei hellblaue Sterne schienen mich direkt anzusehen. Ich stockte. Keuchend atmete ich aus, blinzelte um meine Sicht zu schärfen.
Im nächsten Moment schob Benedict zwei Finger tief in mich und entlockte mir ein ungewolltes Stöhnen. „So bereit für mich“, lobte er und seine Stimme hatte einen dunklen Klang angenommen. Sein Atem streifte meine Haut, doch mein Blick war gefangen von dem winzigen Leuchten in der Dunkelheit. „Hey, was ist los?“
„Ich weiß nicht, ich glaube in den Büschen ist jemand“, flüsterte ich.
Er folgte meinem Blick und lachte los. Das Beben übertrug sich auf die Bewegungen seiner Hand. „Dann liefern wir mal eine gute Show.“ Seine Finger glitten aus mir heraus und fast gleichzeitig spürte ich seine Eichel an meinem Spalt, die sich nun Stück für Stück tiefer in mich schob, bis er mich gänzlich ausfüllte.
Mir entkam ein Stöhnen, da es sich so unglaublich gut anfühlte. Er stahl sich einen weiteren gierigen Kuss von meinen Lippen und ich krallte mich an seinen Schultern fest, damit ich nicht den Halt verlor. „Du bist verrückt und versaut“ , keuchte ich in unseren Kuss hinein.
„Was das versaute betrifft, stehst du mir in nichts nach.“ Er zog sich abrupt aus mir zurück, grinste und im nächsten Moment öffnete er den Reißverschluss meines Kleides. Fast lautlos glitt der Stoff zu Boden, so dass ich nur noch in BH bekleidet vor ihm stand und vor Erregung zitterte. Erneut strichen seine Hände über meinen Körper und als wäre es Zauberei verschwand auch das letzte Stück Stoff an mir. Der kalte Wind umspielte meine Brustwarzen, die sich Benedict keck entgegenstreckten. Er genoss den Anblick, dann hob er mich auf seine Hüften und lehnte mich mit dem Rücken gegen die Wand. Hart stieß er in mich und ich schrie auf.
„Genau das brauchst du doch“, raunte er mir ins Ohr und beschleunigte den Rhythmus seines Beckens.
Ich wagte einen letzten Blick in Richtung der Büsche, die Sterne waren verschwunden. In immer kürzeren Abständen touchierte er den Punkt in meinem Inneren und ich vergaß die Welt um uns herum. Der Orgasmus überrollte mich wie ein Tsunami und ich ließ mich mit ihm forttreiben. Für einen flüchtigen Moment wurde alles bedeutungslos und pures Glück flutete mich.
Für einen flüchtigen Moment war ich frei.
Außer Atem hielt ich mich an Benedict fest und wartete, bis das Nachbeben in meinem Inneren abebbte. Von mir aus hätten wir für immer so verharren können.
Doch plötzlich räusperte er sich. „Wir hatten nicht nur einen Zuschauer.“
Träge sah ich mich um und erstarrte. Tony Grant, der Sicherheitschef meiner Großeltern kam mit finsterer Miene auf uns zu.
Der große, breit gebaute Mann hatte mexikanische Wurzeln und ich kannte ihn fast mein ganzes Leben. Er war kurz nach dem Tod meiner Mutter zu uns gekommen. Wenn meine Großeltern keine Zeit hatten, mir bei den Hausaufgaben zu helfen, und die Nanny geistig damit überfordert war, war er zur Stelle. Bei ihm weinte ich mich mit Liebeskummer aus. Egal welches Problem ich hatte, er hörte mir zu. Nach dem Unfall hatte es sich zwischen uns verändert.
Ich habe mich verändert.
Der Blick aus seinen dunkelbraunen Augen schien mich nun zu durchbohren und heiß stieg Scham in mir auf.
Benedict schien sein Auftauchen völlig kalt zu lassen. Lachend löste er sich von mir und half mir seelenruhig ins Kleid. Zum Abschied drückte er mir einen unschuldigen Kuss auf die Wange. „Danke dir. Ich werde dann mal nach meiner Begleitung sehen.“ Er nickte Tony zu und schlenderte zur Villa zurück, als wäre nichts gewesen.
Verdammter Mistkerl.
„Guten Abend, Tony.“ Ich versuchte so viel Würde wie möglich zu wahren, auch wenn es längst zu spät dafür war.
„Ich hoffe ihr habt wenigstens an Kondome gedacht. Suchend wanderte sein Blick umher.“
Nein.
Meine Wangen färbten sich tiefrot.
„Ernsthaft, Miss Carly, ich hatte sie für Erwachsener und vor allem Vernünftiger gehalten.“ Sein vorwurfsvoller Ton schaffte es, dass ich mich schrecklicher fühlte als zuvor.
„Was geht es Sie überhaupt an?“, fauchte ich trotzig zurück und versuchte, das Zittern meiner Hände zu kontrollieren.
„Gar nichts“, stieß er bitter aus. Nun verschloss er seinen Blick und seine Miene wurde unergründlich. „Dennoch sollten Sie über Ihr Handeln nachdenken. Mr. Stewart sucht übrigens nach Ihnen.“ Er wandte sich von mir ab.
„Sie halten mich für eine Schlampe“, rief ich ihm nach.
Er hielt inne und drehte sich mir wieder zu. „Ich bin der Letzte, der sich ein Urteil über Sie erlaubt, Miss Carly. Das wissen Sie doch.“ Nun lächelte er mich sanft an und seine Gesichtszüge wurden wieder weicher. „Was ich oder ein Anderer von Ihnen hält ist unwichtig. Es zählt nur das, was Sie selbst über sich denken.“
Ich bin eine Schlampe.
Plötzlich begann ich zu frösteln. „Wissen Sie was Stewart will?“
Leicht gequält verzog er nun wieder das Gesicht. „Soweit ich gesehen habe, hat er ihren Großeltern einen Ring gezeigt. Ich vermute er wird Ihnen einen Antrag machen.“
Scheiße.
Übelkeit überfiel mich und ich musste mich auf den Knien abstützen, damit ich durchatmen konnte.
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